Wenn es so langsam Richtung Sommer geht, denke ich oft daran, wie seltsam – und vielleicht noch schwerer – Trauer in dieser Jahreszeit sein kann.
Draußen ist es hell. Menschen sitzen in Cafés, fahren in den Urlaub, gehen an den See, grillen, feiern, machen Pläne. Für Trauernde fühlt es sich ganz anders an. Da ist Müdigkeit. Schwere. Sehnsucht. Vielleicht auch dieses Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Als würden alle anderen gerade ein schönes Leben haben, während du selbst irgendwie wie hinter einer Scheibe sitzt.
Gerade im Sommer scheint es besonders viele Anlässe zu geben, die einen mit dem eigenen Verlust konfrontieren.
Ein warmer Abend. Ein bestimmter Geruch. Sonnencreme. Gegrilltes Essen. Ein Lied im Radio. Der Weg zum See. Ein Urlaubsort. Ein Platz auf der Terrasse, der leer bleibt. Oder was ganz anderes.

Und plötzlich ist sie da, die Trauer.
Manchmal wie aus dem Nichts. Oder zumindest fühlt es sich so an. Dabei kommt sie nicht aus dem Nichts. Sie wird berührt. Von etwas, das erinnert. Von etwas, das früher selbstverständlich war. Von etwas, das zeigt: Es ist anders geworden. Und genau das kann weh tun.
Auch freie Tage oder Urlaub können die Trauer lauter machen. Der Alltag ist oft prall gefüllt. Termine, Aufgaben, Erledigungen, Funktionieren. Wenn es ruhiger wird, entsteht Raum. Und in diesen Raum kommt manchmal das, was vorher mitgelaufen ist.
Das bedeutet nicht, dass etwas falsch ist. Es bedeutet erst einmal: Da ist etwas in dir, das sich meldet. Trauer hält sich nicht an Jahreszeiten. Sie wird nicht leichter, nur weil draußen Sommer ist. Manchmal wird sie sogar sichtbarer, weil der Kontrast so groß ist.
Wenn du dich gerade so fühlst, dann kannst du mir glauben: Damit bist du nicht allein. Es ist okay, dich nicht nach Sommer zu fühlen.
Ein Mini-Tipp
Wenn du merkst, dass es gerade schwierig für dich ist, versuch einen Moment langsamer zu werden. Nicht sofort erklären. Nicht sofort funktionieren. Nicht sofort wegschieben.
Versuch kurz damit zu sein, was gerade ist.
Manchmal nimmt das schon etwas Druck heraus. Weil du nicht gegen dich arbeiten musst. Weil du verstehst: Das ist keine Laune. Keine Schwäche. Kein Rückschritt. Es ist Trauer.
Was brauchst du jetzt?
Vielleicht ein Glas Wasser trinken. Vielleicht jemanden schreiben. Vielleicht von einem Fest früher nach Hause gehen. Vielleicht einfach nur die Hand auf dein Herz legen und einen Moment atmen.
Kennst du das, dass der Sommer Erinnerungen wachruft? Durch Gerüche, Orte, Urlaubszeiten oder diese besondere Stimmung an warmen Abenden? Und was hilft dir dann?
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